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Hintergrund Politik: Ausbildungspakt
Deutschlandradio Sendung/Interview vom 31.08.2006

Hintergrund Politik: Ausbildungspakt
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Zwischen Erfolg und Fehlschlag
Lehrstellensituation und Ausbildungspakt 2006

Von Melanie Hinter

Für Wirtschaft und Regierung steht fest:
Ihr Ausbildunsgpakt. Doch bis August 2006 wurden rund zwei Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr gemeldet:

Ich habe gerade die Räder festgemacht mit einem Drehmomentschlüssel, um den Wagen gleich zurückschieben zu können, weil ich einen Bremslichtschalter ersetzen will. Das wird bloß etwas eng, weil der Bremslichtschalter unter dem Pedal sitzt.

Sabina ist eine von neun Lehrlingen in der Autowerkstatt Carparts und Promoter in Berlin-Schöneberg. Sie kniet neben einem Mercedes Benz W 210, Baujahr 1996 und fühlt sich sichtlich wohl umgeben von Autos, Motorenöl und Werkzeug. Sie macht eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin, einer von 343 Lehrberufen, die es in Deutschland gibt. Und ein relativ neuer noch dazu.

Da hat sich schon was verändert, eine KFZ-Mechatronikerin ist nicht nur für den mechanischen Teil zuständig, sondern auch für den elektrischen und elektronischen Teil im weitesten Sinne. Es wurde zusammengefasst. Im Grunde sind es drei Berufe, die innerhalb von dreieinhalb Jahren vermittelt werden.

Diese Zeit ist für Sabina fast vorbei, sie steht kurz vor ihrer Gesellenprüfung. In ihrem Traumberuf, wie sie sagt. So viel Glück haben viele Schulabgänger auch in diesem Jahr nicht - sie müssen sich nicht nur von einer Lehre in ihrem Traumberuf verabschieden, sie müssen auch Sorge haben, überhaupt noch einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Denn zu Beginn des Ausbildungsjahres ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nach wie vor angespannt.

Die Bundesagentur für Arbeit teilte am 31. August 2006 mit, von Oktober 2005 bis August 2006 seien den Agenturen für Arbeit 418.400 Ausbildungsstellen gemeldet worden - zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Seit gut zehn Jahren wird der Kampf um eine Lehrstelle immer härter. Die Zahl der Schulabgänger ist seit 1992 um rund 180.000 gestiegen. Die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge drängen auf den Ausbildungsmarkt. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Ausbildungsplätze um rund 160.000. Verbessern wird sich diese Situation wahrscheinlich erst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts, wenn die weniger starken Jahrgänge die Schule verlassen. Auch Dirk Walter hat diese Veränderung bemerkt. Er ist Mitgesellschafter der Firma Carparts und Promoter, die ein Jahr nach ihrer Gründung, 1991, anfingen, Lehrlinge auszubilden.

Jede Jugendgeneration oder jede Generation für sich hat ihre eigenen Richtungen und Tendenzen. Hat sich einiges geändert. In der letzten Zeit ist dann doch einiges zu erkennen, dass die Ernsthaftigkeit früher erkannt wird. Wo früher in die Ausbildung rein gegangen wurde, frei fröhlich, da waren mehr Möglichkeiten vorhanden, also mehr Ausbildungsplätze, also die Auswahl war größer. Ist jetzt halt bei denen, die den Ausbildungsplatz dann tatsächlich bekommen haben, die Freude groß und auch das Engagement ist groß.

Drei Auszubildende stellt der Handwerksbetrieb pro Jahr ein - bis zu 250 Jugendliche bewerben sich auf diese Stellen. Die Politik will das Problem auf höchster Ebene lösen. Mitte Juli traf sich zum letzten Mal der Lenkungsausschuss des Ausbildungspaktes - die Präsidenten der Arbeitgeberverbände, Bundeswirtschaftsminister Glos und Arbeitsminister Müntefering. Ihre Mission: Möglichst vielen Jugendlichen, die noch auf der Suche sind, ein Angebot zu machen. Für die Vertreter des Ausbildungspaktes stand schon zu diesem Zeitpunkt fest: Ihr Pakt ist ein Erfolg. Wirtschaftminister Glos von der CSU:

Ansonsten wie gesagt, wir werden in dem Jahr auch wieder mit Erfolg aufweisen können. Ich sage hier noch mal, der Ausbildungspakt hat sich kolossal bewährt. Die Zahlen, die durch den Ausbildungspakt erreicht worden sind in den ersten beiden Jahren, wo er in der Praxis gegriffen hat. Und das heurige Jahr zeigt, dass der Ausbildungspakt ein Erfolg war, und wir arbeiten daran, das wird das nächste Mal dann der Fall sein, dass wir ganz klar klären, dass wir ihn fortsetzen wollen.

Dazu Bundesarbeitsminister Müntefering:

Ich weiß, der Ausbildungspakt hat auch viele Fragezeichen gehabt. Ich bin unverändert der Meinung, er ist sehr erfolgreich, und er wird es auch in Zukunft bleiben.

Auch die Wirtschaftsvertreter zeigten sich zufrieden: Ludwig Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages:

Unsere Prognose beinhaltet, dass wir davon ausgehen, diese Steigerungsrate zu halten bis zum Ende des Ausbildungsjahres, und das würde bedeuten, dass wir dann im IHK-Bereich mit 325 bis 328.000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen rechnen können. Das ist eine Steigerung zwischen 5-8000 mehr Ausbildungsplätzen als im vergangenen Jahr. Und damit auch ein wichtiger Hinweis darauf, dass es gelingt, die höhere Jahrgangsbreite doch auch in eine anteilig gewachsene Zunahme der Ausbildungsplätze im Dualen System zu bringen, so dass im Grunde genommen wir sagen können, wir werden auch im Jahre 2006 allen Ausbildungswilligen und allen Ausbildungsfähigen ein Angebot machen können...

Weniger optimistisch sind da die Gewerkschaften. Der Deutsche Gewerkschaftsbund beklagte, dass die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze in den letzten drei Jahren um 50.000 gesunken sei - bei einer steigenden Zahl von Bewerbern. Einer der Gründe dafür: Nahezu jeder zweite berechtigte Betrieb bilde nicht aus.

Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas setzt deshalb auf den "Azubi-Bonus" - Steuervergünstigungen für Betriebe, die ausbilden. Er schlägt vor, diejenigen zu fördern, die ausbilden, statt diejenigen zu bestrafen, die es nicht tun. Ein Kompromiss, denn das ist einer der großen Themen in der Regierungskoalition: Die Union lehnt alle Zwangsmaßnahmen strikt ab, in der SPD setzt sich besonders der linke Flügel weiterhin für die Ausbildungsplatzabgabe ein. Eine altbekannte Idee.

Rückblick: 2004 - die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist angespannt, die Diskussion um eine Ausbildungsplatzabgabe, die Betriebe zahlen sollen, die nicht genügend ausbilden, verschärft sich. Immer weniger Betriebe bilden aus - für Schulabgänger wird es immer schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Diese Entwicklung will die rot-grüne Bundesregierung mit einer Abgabe stoppen. Wer nicht ausbildet, zahlt, wer mehr ausbildet wird dafür belohnt. Die Wirtschaft ist alarmiert. Für sie ist die geplante Ausbildungsplatzabgabe ein bürokratischer Albtraum - der unbedingt verhindert werden muss. Und auch in den Regierungsfraktionen ist die Umlage nicht unumstritten. Und so geht die Politik auf den Vorschlag der Arbeitgebervertreter ein. Diese verpflichten sich in einem Pakt dazu, neue Ausbildungsplätze anzubieten. Wenn die Politik im Gegenzug dazu auf die Einführung der Ausbildungsplatzabgabe verzichtet.

Am 16. Juni 2004 ist es dann soweit. Die Bundesregierung und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft schließen den "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland". Paktpartner sind für die Bundesregierung die Ministerien für Wirtschaft und Technologie, Arbeit und Soziales, sowie Bildung und Forschung, für die Wirtschaft der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Bundesverband der Deutschen Industrie. Gerhard Schröder, zu diesem Zeitpunkt Bundeskanzler:

Wir haben also einen freiwilligen, wohl verbindlichen Pakt geschlossen, dessen Umsetzung gewiss nicht leicht sein wird. Aber wir sind alle wirklich entschlossen, für die Umsetzung zu sorgen.

Wolfgang Clement, 2004 Wirtschaftsminister, macht noch einmal deutlich, worum es hier eigentlich geht - ein funktionierender Ausbildungspakt verhindert die Ausbildungsplatzabgabe.

Wir werden ab November beginnen, Zwischenbilanzen zu ziehen, und wir werden dann bis zum Herbst des nächsten Jahres sehen, ob wir nachsteuern müssen, sachlich ob der Vertrag, so wie wir ihn vereinbart haben, ausreichend ist oder ob wir nachsteuern müssen oder ob gesetzgeberische Initiativen notwendig sind, das Gesetzgebungsverfahren wird ja nur ausgesetzt, ruht, solange wir entsprechend zusammenarbeiten. Spätestens im nächsten Herbst soll es eine Überprüfung geben.

Der Pakt sieht konkret vor, dass die Wirtschaft drei Jahre lang jeweils 30.000 neue Lehrstellen anbietet. Neu heißt dabei nicht unbedingt zusätzlich. Gehen Betriebe pleite oder bilden nicht mehr aus, werden die wegfallenden Lehrstellen nicht mit den neu eingeworbenen Ausbildungsplätzen verrechnet.

Die Verbände sichern also zu, dass ihre Mitgliedsunternehmen Lehrstellen anbieten, die es bisher nicht gab. Eine Garantie für vorhandene Plätze wollen sie nicht geben. Außerdem sollen 25.000 zusätzliche Praktikantenstellen schlecht qualifizierte Bewerber fit für den Arbeitsmarkt machen. Die bekommen dann einen Unterhaltszuschuss von der Bundesagentur für Arbeit und im Erfolgsfall ein Zertifikat der örtlichen Industrie- und Handelskammer.

Doch nicht nur die Wirtschaft verspricht Engagement, auch die Bundesregierung macht Zusagen. Sie will die Zahl der Ausbildungsplätze in der Bundesverwaltung um 20 Prozent erhöhen. Die Wirtschaft hat mit dem Pakt keine einklagbaren Garantien gegeben. Als Drohung im Raum steht jedoch die Ausbildungsabgabe. Ludwig-Georg Braun, Präsident des Industrie- und Handelskammertages.

Ich will sagen, dass dieser Pakt ein wunderbares Beispiel werden kann, wenn er sich erfolgreich durchsetzt, wie man Bürokratie durch partnerschaftliches Handeln ersetzen kann. Das ist eine wichtige Voraussetzung, und daher will ich mich an dieser Stelle auch, da wir von partnerschaftlichem Handeln sprechen, mich bedanken bei denen, die mitgeholfen haben, dass diese Struktur des Paktes jetzt so zusammengekommen und so tragbar sein wird.

Das partnerschaftliche Handeln beschränkt sich jedoch auf die Wirtschaftsvertreter und die Politik. Die Gewerkschaften sind außen vor geblieben - freiwillig und aus gutem Grund, wie Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende findet:

Unsere ursprüngliche Intention war ja eine gesetzliche Umlage zur Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Die Arbeitgeber haben dann im Rahmen des Ausbildungspaktes angeboten, Einstiegsqualifikationen und neue Ausbildungsplätze, aber keine zusätzlichen. Und das schien uns einfach zu wenig und kein Erfolg versprechendes Konzept. Und deshalb sind wir auch als Gewerkschaft nicht dabei.

Eine abgeschlossene Ausbildung ist zwar keine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Wer jedoch in Deutschland eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, dessen Chancen auf einen festen Arbeitsplatz steigen. Und wer viel Glück hat, wird sogar von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen.

In der Werkstatt von Dirk Walter arbeiten 24 Mitarbeiten, sie haben ihre Ausbildung hier im Betrieb gemacht. So wie Sascha. Der 23-Jährige steckt seinen Kopf unter die Motorhaube eines alten Saab, Baujahr 1976 - Der Motor will nicht anspringen. Sascha arbeitet seit fünf Jahren hier. Er hat als Lehrling begonnen, seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist übernommen worden. Auch für ihn ist sein Ausbildungsberuf sein Traumberuf

Auch wenn es manchmal ein wenig knifflig wird. Selbst mit der Hilfe eines Kollegen findet er den Fehler nicht sofort. Die Unterschiede zu einem neueren Wagen sieht der Fachmann jedoch auf Anhieb

Viel primitiver als ein neues Fahrzeug, weniger Technik, weniger Elektronik, das Grundprinzip ist zwar dasselbe, ist aber nicht so viel Elektronik drin, nicht so viele Spielereien.

Bei der Suche nach seinem Ausbildungsplatz hatte Sascha Glück. Über persönliche Kontakte ergatterte er ein Praktikum in der Werkstatt - und konnte sich so für eine Ausbildung empfehlen. Der Vorteil für den Arbeitgeber: er kennt den zukünftigen Mitarbeiter schon. Auch im Ausbildungspakt sind Praktika vorgesehen. Die Hoffnung: die jungen Leute können sich beweisen und im Anschluss daran einen Ausbildungsplatz bekommen. Doch für die meisten heißt es nach dem Schulabschluss erst einmal, Bewerbungen schreiben und einen potentiellen Ausbilder auf sich aufmerksam machen. Dirk Walter:

Man schaut sich die Bewerbung an, selbst die Texte, wie sie geschrieben sind, ob sie engagiert geschrieben sind. Ob derjenige sich schon für den Fachbereich oder den Betrieb interessiert, ob er schon versucht hat, Informationen ranzuholen, eine vernünftige Begründung hat, warum er den Ausbildungsplatz antreten möchte, und ganz wichtig natürlich das schulische Zeugnis, oder die Zeugnisse, der Kopf für mich ganz entscheidend.(....) Und dann im nächsten Punkt natürlich die Zensuren und ganz klar auch die Fehltage. Wie oft waren Fehltage vorhanden und wie oft waren sie entschuldigt oder unentschuldigt. Ganz wichtiger Aspekt.

Schulabgänger, die mit ihren Bemühungen keinen Erfolg hatten, tauchen dann in der Statistik als Suchende auf - und um die wollen sich die Partner des Ausbildungspaktes kümmern. Mit Erfolg, wie sie in den vergangenen zwei Jahren immer wieder betont haben: 3. Dezember 2004. Die Partner des Ausbildungspaktes legen nach einem guten halben Jahr eine Zwischenbilanz vor. Der damalige SPD-Chef Franz Müntefering, der im Jahr zuvor die Ausbildungsplatzabgabe zur Chefsache erklärt hatte:

Insgesamt ist das, was jetzt erreicht ist, natürlich noch nicht sehr gut, aber es ist besser, als ich es selbst Anfang des Jahres noch geglaubt habe, dass es möglich wäre.

Dieter Phillip, damaliger Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks:

Kurz gesagt, die deutsche Wirtschaft hat Wort gehalten. Wir haben den Ausbildungspakt nicht nur erfüllt, sondern er ist in seinen Ergebnissen weit übertroffen worden.

15. Februar 2005 - Die Bundesregierung erklärt den Ausbildungspakt zum Erfolg. Der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement:

Wir haben die Trendwende am Arbeitsmarkt erreicht. Wir haben insbesondere zu verzeichnen, dass alle Zusagen, die im Ausbildungspakt enthalten waren, all dies ist zum großen Teil übererfüllt worden.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt:

Die Wirtschaft hat alle ihre Zusagen aus dem Pakt erfüllt. Über 50.000 neue Ausbildungsplätze und über 30.000 Einstiegsqualifikationen.

Auch anderthalb Jahre nach der Pakt-Vereinbarung fällt die Bilanz im vergangenen Herbst positiv aus. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt:

Trotz wirtschaftlich schwerer Lage ist der Ausbildungspakt auch in diesem Jahr auf einem guten Weg.

Wolfgang Clement, damals noch Arbeitsminsiter:

Es ist in der Tat so, dass der Ausbildungspakt sich bewährt, eindeutig, besser geht es nicht, die Zusagen, die gemacht werden fast um das Doppelte übertroffen in Wahrheit, wenn man sich die neuen Ausbildungsverträge anschaut, das ist sicher ein Beweis für die Zusammenarbeitsfähigkeit auch in schwierigen Zeiten.

Zufriedene Gesichter und Erfolgsmeldungen - für die Gewerkschaften waren die Ergebnisse des Ausbildungspaktes auch 2005 keine Grund zu Jubeln. Frank Werneke vom verdi-Vorstand:

Der Ausbildungspakt ist leider ein Versprechen geblieben. Er hat nicht dazu geführt, dass in ausreichendem Umfang Ausbildungsplätze entstehen. Im vergangenen Jahr sind über 40.000 Jugendliche völlig unversorgt geblieben, und in diesem Jahr ist die Zahl der Ausbildungsplätze noch einmal gesunken um weit über 35.000.

Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock ändern die Auftritte der Ausbildungspaktpartner nichts an der Lehrstellenmisere in Deutschland.

Es gibt keine neuen Aspekte aus unserer Sicht. Und die Ergebnisse des Ausbildungspaktes sind auch nicht so ermutigend, dass wir sagen würden, da wollen wir jetzt unbedingt mitmachen. Es ist so, dass zwar Einstiegsqualifikationen geschaffen worden sind, auch mit hohem Vermittlungserfolg, aber wir finden, dass gerade die Leute, die es betrifft, das sind die Benachteiligten, da nicht auftauchen. Es ist also für die eh gut Qualifizierten, das scheint uns nicht die richtige Entwicklung. Und ansonsten werden eben neue keine zusätzlichen Ausbildungsplätze geschaffen. Das heißt, die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze geht ständig zurück, für uns kein Grund, uns an einer solchen Veranstaltung zu beteiligen.

Während die Gewerkschaften und die Partner im Ausbildungspakt die Situation innerhalb des Systems in den Griff bekommen wollen, plädiert der Bildungsforscher und Präsident der Freien Universität Berlin Dieter Lenzen für einen Systemwechsel.

Wir können uns das gar nicht mehr anders vorstellen, als dass junge Menschen eine Lehre machen, die den Regeln genügt, die wir irgendwann dafür aufgestellt haben. Dadurch erzeugen wir zwei Klassen von Jugendlichen. Nämlich die Inhaberinnen und Inhaber von Lehrstellen und die, die es nicht geschafft haben. Die einen haben es geschafft, die anderen haben es nicht geschafft. Das dürfen wir uns gesellschaftlich dauerhaft nicht leisten. Wir müssen auch für die anderen Chancen haben, und insofern wird das nur möglich sein, indem man das gesamte System ein Stück weit aufweicht und auflöst.

Der Theorieanteil an der Ausbildung sei zu hoch und das System der Berufsausbildung in Deutschland nicht wettbewerbsfähig in einer globalen Wirtschaft. Trotz der Kritik hält auch die Große Koalition am Ausbildungspakt fest. Der neue Wirtschafsminister, der CSU-Politiker Glos, im Januar 2006:

Dieser Ausbildungspakt wird in der bewährten Form fortgesetzt, und ich hoffe, dass der heutige Lenkungsausschuss wieder ein Stück neuen Schwung gibt, dass wir in Zukunft auch mit dieser Art und Weise, Menschen zu helfen, erfolgreich sind.

Sabina fühlt sich gut gerüstet für die Zukunft. Schließlich hat sie in ihrer Ausbildung einiges gelernt.

Der komplette mechanische Teil, angefangen von Bremsen, Bremsleitungen, Federn, Lenkungen, Traggelenke, Getriebe, Kupplung, all das, dann auch Computer, Umgang mit den Computer. Fehler auslesen, Fehler beheben, Inspektionsintervalle zurücksetzen... Es stand schon alles mögliche auf dem Stundenplan, ich war auch im Bereich Karosserie... Zahnriemenwechsel hatte ich hier einige, die sehr viel Spaß machen, das ist immer sehr interessant, denn Motor ist zwar Motor, aber doch unterscheiden sich Motoren an sich, wie komme ich an den Zahnriemen dran, was muss ich alles abbauen, worauf habe ich zu achten. Wie alt ist der Motor, ja all das.

Morgen fangen wieder drei neue Lehrlinge bei Carparts and Promoter an. Für all diejenigen, die noch keinen Ausbildungsvertrag unterschreiben konnten, fängt jetzt die Nachvermittlungsphase im Rahmen des Ausbildungspaktes an. Bis Ende September laufen die Bemühungen, sie noch zu vermitteln, in Ausbildungsstellen oder Praktika im Rahmen der so genannten Einstiegsqualifizierungen.

Manche werden sich auch dazu entschließen, noch ein weiteres Jahr die Schule oder eine berufsvorbereitende Maßnahme zu besuchen. Sie alle fallen dann aus der Statistik heraus. Alle anderen werden weiter als Suchende registriert. Und tauchen in der Bilanz auf, die Mitte Oktober vorgelegt wird und anhand derer die Paktpartner entscheiden, ob ihr Vorhaben auch in diesem Jahr ein Erfolg war.

nachzulesen (im Internet) unter: www.dradio.de

 

 

Tagesspiegel-bericht - Dritte Seite - vom 01.08.2006 (Tagesspiegel.de):

Überall Leerstellen
Lesen: stockend. Rechnen: fehlerhaft. „Der ganz normale Schulabgänger wird immer ungeeigneter für das ganz normale Arbeitsleben“

Von Jeannette Krauth

Dies ist die Geschichte von all den Schritten im Leben, die Alex nicht machen wird. Sie erzählt von jungen Menschen, die auf dem Weg zur Ausbildungsstelle Fehler machen, die sie um ihre Chance bringen. Sie erzählt auch von denen, die diese Chance nutzen. Und davon, dass die Fehler der anderen so häufig passieren, dass viele Chefs sagen: Der ganz normale Schulabgänger wird immer ungeeigneter für das ganz normale Arbeitsleben.

Alex, 17, ärgert keinen Chef. Weil er in dem Rennen um Anruf, Treffen, Probelauf, Händedruck und Unterschrift erst gar nicht startet. Ein Schultag in Berlin- Pankow, drei Wochen vor Zeugnisvergabe. Heute ist Alex mal gekommen, der Junge mit den klitzekleinen Augen und den eingezogenen Schultern. Sicher ist das bei ihm nie, genauso, wie er nicht weiß, ob seine Noten zum Hauptschulabschluss reichen. Er sitzt auf der Treppe zum Schulhof. Was er denn mal werden will? Koch findet er gut, aber die Arbeitszeiten nicht. Gebäudereiniger vielleicht. Weil das Geld okay ist. Und sein Freund das machen will. Und der versprochen hat, seine Bewerbung mit abzugeben. Er müsse die noch tippen, also die Anschrift in die Übungsbewerbung aus der Schule kopieren. „Is ja nich schwer“, sagt er, es klingt, als habe ihm das jemand öfters gesagt, und er das Band einfach noch mal abspielt, ohne daran zu glauben.

Meinst du wirklich, dass du die Bewerbung abgeben wirst? Er guckt auf seine Zigarette, dann auf den Boden, dann dem Gegenüber in die Augen und sagt: „Ick glaub nicht.“ Weshalb? „Weeß ick nicht.“ Und wenn man dann weiterfragt, riskiert man, dass er aufsteht und geht. Das erste Scheitern liegt schon vor dem Rechtschreibfehler im Anschreiben, und es heißt Angst.

Am 1. August, zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres, fehlen in Deutschland 315 000 Ausbildungsplätze, und gleichzeitig finden 120 000 Betriebe keine geeigneten Lehrlinge. Im Herbst, wenn Handwerks- und Handelskammer ihre Nachvermittlungsaktionen beendet haben, sollen es noch 50 000 sein, die nirgends untergekommen sind. Die Zahl wird vor allem deshalb kleiner geworden sein, weil dann viele in den Warteschleifen kreisen, als versorgt gelten und nicht als suchend gezählt werden. Elf Warteschleifen, „Überbrückungsmöglichkeiten nach der Schule“, wie der „Berufsqualifizierende Lehrgang am Oberstufenzentrum“, stehen etwa auf dem Handzettel der Agentur für Arbeit Berlin-Mitte. Da sollen junge Menschen vor allem lernen, „Guten Tag“ zu sagen, in ganzen Sätzen zu sprechen und pünktlich zu sein. Einige Extra-Kenntnisse werden auch noch vermittelt, der Lohn ist dann ein Blatt Papier, auf dem etwa steht: „Er hat erfolgreich am Qualifizierungsbaustein Tapezieren teilgenommen.“

Solche wie Alex schaffen es nicht bis zum Ausbilder Anselm Lots. Ein Sommerwind pustet durch die Halle in Berlin- Schöneberg, vier aufgebockte Autos stehen hier, an denen vier Frauen und vier Männer arbeiten, und Anselm Lots steht in der Mitte. Es ist die Werkhalle der Firma Carparts and Promotor, und Anselm Lots ist einer der Gesellschafter. Er kümmert sich um den Azubi-Nachschub, und zwei Bewerberinnen zum Kfz-Mechatroniker, so nennt man den modernen, elektronisch versierten Automechaniker, arbeiten heute zur Probe. Ein Mädchen mit Wuschelhaar hebt eine Ölflasche hoch und zieht das Etikett ab. Das ist Elizabeth, 20. Zur Frühschicht, sieben Uhr, ist sie gekommen. Außerdem ist noch Lena, ebenfalls 20, da. Sie steht gegenüber, unter einem Audi 80. Ein drittes Mädchen, blonde und dunkelbraune Strähnen im Haar, die von Klammern gehalten werden, zeigt ihr gerade, wo die Bremsen sind. Sie ist im dritten Lehrjahr. Und Lena schaut zu, die Hände in die Seiten gestützt, der Kopf bleibt im Nacken, sie schaut so konzentriert, dass man meint, sie denken zu sehen: Verstanden, behalten, und morgen mach ich das alleine.

Das gefällt Lots. Vier neue Azubis hat er schon, aber diese beiden waren so viel versprechend, da überlegt er sich, dieses Jahr sechs Lehrlinge zu nehmen. Er hat schon anderes erlebt. Jungen, die sagen „dafür bin ich jetzt nicht angezogen“, wenn sie die Mülltonnen auf den Bürgersteig fahren sollen. Welche, die ihre Werkzeuge nicht wieder auf den Rollwagen legen, sondern bis zur Mittagspause alle Schlüssel und Zangen hübsch durch die Halle verteilt hätten. Oder solche Geschichten wie die mit Robert. Er war klasse, sah, wo Öltücher herumlagen, die in den Mülleimer gehörten, reichte im richtigen Moment Werkzeug an und fraß alle Lernschritte in sich hinein. Doch dann kam der Tag, an dem Robert ein Protokoll ausfüllen sollte.

Ein Satz. Notieren, dass sie gerade Bremsbeläge ersetzt und Ventile eingeschliffen hätten. Er schrieb: „Brämsbelege ersezt und Ventiele eingeschlifen“. Fünf Worte, fünf Fehler.

Lots lässt Robert eine Beschreibung zur Verwendung von Bremsscheiben lesen. Was steht da drin? Robert sagt: „na, dass man Bremsscheiben unter drei Millimeter Breite nicht einbauen darf.“ Das ist falsch. Da stand sinngemäß: Man muss neue Bremsscheiben einbauen, wenn das Mindestmaß von drei Millimetern Material nicht mehr vorhanden ist. Ein Mechatroniker muss solche Anleitungstexte verstehen, die Technik ist komplex. Der Beruf sei anspruchsvoller geworden, sagt Anselm Lots. Selbst so eine kleine Werkstatt wie seine arbeitet mit Computer-Stationen, die wissen, in welchem Autotyp der elektrische Fensterhebel die gleichen Leitungen nutzt wie das Türknöpfchen.

Meist fängt das Problem aber viel früher an. Die Mehrheit scheitert auf dem Schreibtisch. In einem Umschlag hat Anselm Lots sieben Bewerbungen aufgehoben, 80 weitere waren genauso schlecht. Insgesamt hat er Schreiben von 100 Interessenten bekommen. „Zur Person“ steht in der Mitte der Din-A-4-Seite. Darunter ein Foto, es zeigt einen Jungen mit Fünf- Millimeter-Haarschnitt in Kapuzenpulli. Das Bild ist grünstichig, und der Junge hat einen Blick darauf, wie man ihn aus Kriminalfilmen kennt, wenn Mörder von der Polizei fotografiert werden. Darunter vier Zeilen: Name, wohnhaft, geboren am, in. Das ist sein Lebenslauf. Der komplette.

 

Andererseits langweilen Lots Bewerbungen, die aussehen wie aus dem Ratgeber abgeschrieben. Er will auch nicht lesen, dass der Bewerber gern an Autos herumschraubt. Das sei selbstverständlich. Er will von Hobbys oder sozialem Engagement lesen und merken, dass der Bewerber eine Ahnung davon hat, dass er künftig auch mit Computern zu tun haben wird. Das sind hohe Ansprüche.

Was hat Lots in den 80 anderen Bewerbungen gefunden? Sätze, die gleich zweimal im Anschreiben stehen, mal fehlt die eigene Adresse, mal die Unterschrift, falsche Groß- und Kleinschreibung. Manchmal fühlt der Ausbilder sich auch betrogen. Wenn er ein perfektes Anschreiben in der Hand hält und auf dem Zeugnis dahinter eine Fünf in Deutsch steht. Oder: Einer der Bewerber will seine Motivation herausstellen: „Ich bin derzeit Schüler der 11. Klasse, werde aber vermutlich das Klassenziel nicht erreichen. Diese Tatsache hat mich bewogen, mich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen.“ Ein weiterer Kandidat will sich mit dem Satz „ich arbeite gern an der frischen Luft“ für den Beruf in der Werkstatt anpreisen.

Die Beispiele sind nicht die grausigsten, sondern die ganz normal schlechten. Anselm Lots hat schon das Gefühl, dass die Bewerber vor einigen Jahren besser waren. Er spricht von „fehlenden kognitiven Fähigkeiten“, die würden in der Schule nicht mehr ausreichend vermittelt. Schulabgänger lesen stockend, rechnen falsch, schreiben Wörter, die in keinem Duden stehen. Ähnlich sieht das der Zentralverband des deutschen Handwerks, jeder fünfte Schüler könne nicht ausreichend lesen und schreiben. Es läge aber auch an der veränderten Arbeitsmarktsituation. Einfache Ausbildungsberufe fallen weg, andere, wie der Kfz-Mechatroniker, werden spezieller und somit zu schwierig für viele.

Zurück zu Alex. Was hat der Junge denn für Interessen?, die einfachste aller Berufsfindungs-Fragen. Einer seiner Lehrer antwortet: „Also, das weiß ich jetzt echt nicht.“ Computerspiele oder so was vielleicht? „Könnte sein.“ Alex, was macht dir Spaß? „Ick weeß nicht.“ Na, was hast du denn die letzten Tage mal so richtig gerne gemacht? Schweigen. Dann fällt ihm ein, dass er gerne kocht. Diese Nudelsoße aus Sahne und Dosenpilzen und Fleischwurst, die hat er selbst erfunden. Ja, er hat auch mal im Praxisunterricht in der Kantine gearbeitet.

Man kennt die Beschuldigungskette: Die Arbeitgeber schimpfen auf die Schulen, die Schulen auf ihre Landespolitiker und die Eltern wiederum auf die Politiker und Lehrer.

Wenige Meter vom Checkpoint Charlie entfernt, in weiten Fluren, auf himmelblauen Eisenstühlen, da warten all die, für die der Ausbildungsplatz vorerst ein Wunsch blieb. Es ist die Agentur für Arbeit in Mitte. 44 Berufsberater sind für über 10 000 Bewerber und über 4500 gemeldete freie Azubi-Stellen zuständig. Am Eingang fragt ein Junge mit Block und Kuli in der Hand: „Wo ist das Internetcafé?“, und ein Mann, der gerade Wasserkästen vorbeischiebt, sagt: „Jibt et hier nicht.“ Der Junge dreht um. Eine Treppe weiter hängt ein Schild an einer Glastür: „Internetcentrum“. So schnell kann Initiative vorbei sein.

Ein Stockwerk höher sitzt eine Berufsberaterin mit einer Abiturientin. Die war hartnäckiger: Sie hat sich telefonisch angemeldet, sich einen Termin geben lassen, den zugesandten Bogen ausgefüllt, der ihre Bildung, Interessen, Wünsche und Noten abfragt, hat den mitgebracht und auch das Zimmer in dem verschachtelten Gebäude gefunden. Im Raum der Beraterin – am Fenster stehen Fettpflanzen, auf der Kante des Flachbildschirms hocken Plüschtier-Raupen – sitzt an diesem Tag Sonja, Notenschnitt 2,6. Sie will Industriekauffrau werden.

Sonja hat raspelkurzes Haar, trägt ein glatt gebügeltes T-Shirt, dessen Kragen sich in Fasern auflöst, und weiße Turnschuhe. Die Beraterin zeigt ihr den Internetpfad zur Lehrstellenbörse des Amts: Fünf Klicks, alle haben bürokratische Namen. Sonja reibt sich verschämt die Hände an den Oberschenkeln. Dann gehen sie die Anzeigen durch: „Hier, Price Waterhouse Coopers, das ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber“, sagt die Beraterin. Die Anforderungen passen alle auf Sonja, nur ein Punkt, der dort nicht ausdrücklich vermerkt ist, vielleicht nicht. „Das ist in der Friedrichstraße, also schon ziemlich schick.“ Die Beraterin erwartet von Sonja, die ganz offensichtlich durch ihr Äußeres die guten Schulnoten zunichte macht, dass sie diesen zarten Hinweis als Stilberatung deutet. „Man muss da ja vorsichtig sein, manche Bewerber kommen aus Familien, die finanziell einen schwierigen Hintergrund haben.“

Zum Abschluss drückt die Beraterin Sonja einen Zettel mit fünf Vorschlägen in die Hand: Internetadresse der Jobbörse, Studienbewerbung abwarten, Azubi-Bewerbungen schreiben, soziales Jahr und ein Praktika-Programm, das den Arbeitgebern die Azubis schmackhafter machen soll. Die Beraterin will ihr wöchentlich Lehrstelleninserate zuschicken. Sonja lächelt, sie sieht zufrieden aus. Zwei Bewerbungen will sie noch heute fertig machen, zehn andere hat sie bereits eigenständig losgeschickt. Gemeldet hat sich noch niemand.

In Schöneberg, bei Anselm Lots, geht die Geschichte gut aus. Er sitzt am Besprechungstisch mit Partner Dirk Walther und Elizabeth. Deren zweiter Probearbeitstag ist gerade vorbei, ihre Stirn ist verschwitzt, die graue Latzhose hat sie noch an. Elizabeth fixiert abwechselnd ihre beiden baldigen Chefs und sitzt kerzengerade. Dirk Walther sagt: „Es hat uns gefallen, dass du sehr spezielle Fragen gestellt hast.“ Sie sei geschickt. Elizabeth hat etwa die versteckten Stabilisator-Buchsen, vier kleine Gummis an einer Stange unter dem Motor, gefunden und abmontiert.

Mit Elizabeth haben sie jetzt eine Abiturientin in der Werkstatt. Anselm Lots sagt, er würde auch Hauptschüler einstellen, wenn alles passt. Elizabeth ist von einer anderen Auszubildenden empfohlen worden. Mit der spielt sie Volleyball. Er würde auch ohne Empfehlung einstellen, sagt Lots. „Es ist eben auch eine Menge Bauchgefühl dabei.“ Bei Lena, der anderen Probearbeiterin, die später auch eine Zusage bekommt, ist es allerdings genauso. Das Bauchgefühl mag offenbar Abitur plus Empfehlung plus Engagement. Zum Abschied sagt Dirk Walter „Welcome“. Elizabeth lässt endlich die Schultern fallen. Und es sieht aus, als ob ein Hauch Gelassenheit über sie kommt, und auf dem Mund in einem Lachen endet.

nachzulesen (im Internet) unter: www.tagesspiegel.de

 

 

Tagesspiegel-bericht vom 18.09.2004 (Tagesspiegel.de):

Hier wird GEHOLFEN
Reparaturen auch am Sonnabend

Pannen am Auto treten natürlich immer im unpassendsten Augenblick auf.
Und besonders unangenehm sind sie, wenn sie einen am Wochenende überraschen, und dann vielleicht noch vor dem für den Sonntag geplanten Ausflug. Dann bleibt oft keine andere Wahl, als sich an den Notdienst der jeweiligen Marke zu wenden– oder aber an eine auf solche Notfälle gut vorbereitete Werkstatt, die an keine Marke gebunden ist.

Denn bei der Kraftfahrzeugwerkstatt carparts & promotor GmbH in der Monumentenstraße 35 in 10829 Berlin (Tel. 787 99 20) wird für Fahrzeuge jeder Marke gesorgt. Und das nicht nur zu so ungewöhnlichen Zeiten, wie von 7:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends vom Montag bis zum Freitag, sondern auch Sonnabends zwischen 10:00 und 18:00 Uhr. Ob Motor oder Bremse, ob Klimaanlage, ob Achsvermessung oder Karosserie, in der Monumentenstraße werden Autos aller Marken auch sonnabends repariert – es sei denn, dem erfahrenen und gut ausgerüsteten Team fehlen Ersatzteile, die sich am Wochenende beim besten Willen nicht beschaffen lassen. Dann muss man notgedrungen ein wenig mehr Geduld haben. Doch solche Fälle sind eher die Ausnahme.
mm

nachzulesen (im Internet) unter: www.tagesspiegel.de

 

Morgenpost-bericht vom 07.09.2004 (Morgenpost.de):

Maria hatte Glück
Nur wenige Mädchen haben die Chance in einer klassischen Männerdomäne, eine Kfz-Lehre aufzunehmen

Von Hans Evert

Berlin - Ihre Schulnoten haben beim Einstellungsgespräch nicht interessiert. Andere Sachen waren wichtiger. Zum Beispiel, ob sie mit Männern kann. Maria hat die Frage bejaht und jetzt darf sie jeden Tag die grauen Latzhosen tragen, die ihr ein wenig zu groß sind. Sie darf schrauben und auswuchten und am Ende des Arbeitstages muss sie die öligen Hände mit Waschpaste schrubben bis die Haut rot wird. Maria Lenz, 20 Jahre alt, Abiturientin, ist jetzt da, wo sie hinwollte. Sie lernt in einer Kfz-Werkstatt bei Carparts Promoter in Schöneberg. Und dass sie dort die einzige Frau in der Werkstatt unter lauter Männern ist, stört sie nicht.


Maria Lenz hat ihren Traumberuf gefunden.
Die Berlinerin lernt in der Werkstatt
carparts & promotor GmbH Kfz-Mechatronikerin

Frauen wie Maria Lenz sind immer noch Exotinnen in Berliner Autowerkstätten. Der Kfz-Mechantroniker - so nennen sich jetzt offiziell die Kfz-Mechaniker - ist eine klassische Männerdomäne. Daran hat sich nichts geändert. Bislang sind nur sieben Frauen in Berlin als neue Azubis registriert.

Ob nun Mechantroniker oder Mechaniker, es ist der begehrteste Beruf für männliche Schulabgänger in Deutschland. Die Folge ist, dass nur ein Bruchteil der Interessenten eine der begehrten Lehrstellen in der Autowerkstatt bekommen. Für dieses Jahr rechnet die Kfz-Innung mit etwa 500 Ausbildungsplätzen.

Die Kfz-Innung Berlin rät Interessierten zu Praktika während der Schulzeit. Zudem sollte im Bewerbungsschreiben die Bereitschaft geäußert werden, einige Tage Probe zu arbeiten. Und schließlich sollten sich Bewerber nicht nur auf den Beruf Mechantroniker versteifen sondern von vornherein Alternativen überlegen.

Wenn dann doch mal eine Frau daher kommt, kennen viele Kfz-Meister in Berlin nur einen Reflex: Um Gottes willen keine Mädchen. "Am Telefon haben sie immer erzählt, dass sie keine zweite Toilette hätten", erzählt Maria. Sie wurde dann nicht mal eingeladen. Bekam damit nicht die Chance, begeistert davon zu erzählen, wie sie schon als Fünfjährige ihrem Vater nicht von der Seite wich, als der seinen Porsche 944 umbaute.

Nach 20 vergeblichen Bewerbungen landet sie im Vorstellungsgespräch bei Anselm Lotz, Geschäftsführer von Carparts Promoter. Die Mutter von Marias Freund hat das vermittelt. Lotz interessierten weder ihre Noten und noch, dass sie in der Schule statt Mathe und Physik die Leistungskurse Kunst und Sport belegt hat. Anselm Lotz sagt: "Wichtig ist uns, dass die Bewerber echtes Interesse zeigen." Das ist ihm wichtiger als Noten.

Sechs Frauen hat Lotz in seinem Unternehmen bisher ausgebildet. Er traut diesen Job zum einen Frauen zu. Zum anderen hat er gemerkt, dass Frauen disziplinierend wirken. "Wenn in der Werkstatt Mädels arbeiten, herrscht gleich ein besserer Umgang." Lotz bildet seit 1993 in seinem Betrieb aus. Anfangs war er ein Skeptiker. Seine Befürchtungen entsprachen denen, die viele Meister heute noch haben: Das kostet mich nur, das ist zu bürokratisch und zu aufwendig. Mittlerweile ist er in der Kfz-Innung Berlin für Berufsausbildung zuständig. Er hat dieses Jahr vier Lehrlinge eingestellt, insgesamt arbeiten 26 Leute für ihn. Jetzt hofft er, dass keiner der Azubis mitten in der Ausbildung abbricht. Bei Maria ist das wenig wahrscheinlich. Sie hat ihr Auto, einen alten Polo, aufgepeppt.
"Aber wenn man Autos richtig versteht, ist das noch viel besser."

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